Neue Orientierung für PQC-Migration und Zertifikatsmanagement

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat die Technische Richtlinie BSI TR-02102-1 „Cryptographic Mechanisms: Recommendations and Key Lengths“ in der Version 2026-01 veröffentlicht. Die Richtlinie enthält Empfehlungen zu kryptografischen Verfahren, Schlüssellängen und Migrationspfaden für neue kryptografische Systeme ab 2026.

Migrationspfade für Post-Quanten-Kryptographie

Ein Schwerpunkt der aktuellen Fassung liegt auf Post-Quanten-Kryptographie. Das BSI konkretisiert Migrationszeiträume für quantensichere Verfahren und beschreibt die alleinige Nutzung klassischer asymmetrischer Mechanismen perspektivisch als Auslaufmodell. Klassische Schlüsselvereinbarungsverfahren sollen nach der Richtlinie nur noch bis Ende 2031 allein eingesetzt werden. Für Anwendungen mit sehr hohem Schutzbedarf empfiehlt das BSI die Migration zu quantensicheren Verfahren bereits bis Ende 2030.

Auch klassische Signaturverfahren stehen langfristig vor einer Umstellung. Nach aktueller Einschätzung des BSI bleiben sie vertrauenswürdig, solange kein kryptografisch relevanter Quantencomputer verfügbar ist. Zugleich folgt die Richtlinie der europäischen Roadmap, nach der die Migration zu quantensicheren Signaturverfahren spätestens bis 2035 erfolgen soll.

Zertifikatsmanagement als operative Grundlage

Für Organisationen ist diese Entwicklung vor allem im Kontext von PKI und Zertifikatsmanagement relevant. Digitale Zertifikate bilden die Grundlage für die authentische Verteilung öffentlicher Schlüssel. Sie sichern Identitäten, Systeme, Dienste und Vertrauensketten. Wenn sich kryptografische Verfahren ändern, betrifft das deshalb auch Zertifikate, Zertifikatsketten, Root- und Intermediate-CAs, Laufzeiten, Policies und technische Abhängigkeiten.

Die BSI-Richtlinie verweist zudem auf konkrete Anforderungen an Public-Key-Infrastrukturen. Dazu gehören unter anderem der Nachweis des Besitzes privater Schlüssel bei der Zertifikatsausstellung, Möglichkeiten zur zeitnahen Deaktivierung von Zertifikaten, begrenzte Zertifikatslaufzeiten, vertrauenswürdige Aussteller, klare Verwendungszwecke und begrenzte Zertifikatsketten.

Damit wird Crypto-Agilität zu einer operativen Aufgabe. Organisationen müssen nachvollziehen können, welche Zertifikate im Einsatz sind, welche Algorithmen und Schlüssellängen verwendet werden, welche Systeme von bestimmten Verfahren abhängen und wo Anpassungen notwendig werden. Ohne Transparenz über die eigene kryptografische Infrastruktur lassen sich Migrationspfade zu Post-Quanten-Kryptographie nur schwer planen.

In einer weiterführenden Einordnung greifen wir das Thema demnächst noch einmal auf. Dabei zeigen wir, was die BSI Crypto Guidelines 2026 für Zertifikatsmanagement, PKI und Crypto-Agilität bedeuten und wie essendi crypto solutions Organisationen dabei unterstützen, Transparenz über kryptografische Verfahren zu schaffen und die Migration zu quantensicheren Infrastrukturen vorzubereiten.

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